Witt: Stasi verfolgte Leben von Katarina Witt seit Kindheit – Goldmedaillenerinnerungen und dunkle Vergangenheit

Katarina Witt, die ehemalige Eiskunstlauf-Ikone, blickt auf eine Karriere zurück, die weit über die glitzernden Erfolge hinausgeht. In ihren drei Büros in Potsdam, die an Olympiastädte erinnern – Sarajevo, Calgary und Lillehammer – offenbart sich eine Geschichte, die bis in ihre Kindheit reicht.

Stasi-Überwachung seit dem siebten Lebensjahr

Wie die Sport Bild berichtet, führte die Staatssicherheit (Stasi) seit dem siebten Lebensjahr ein umfassendes Dossier über Witt. Unter dem Decknamen „OV Flop“ dokumentierte die DDR-Geheimpolizei jeden Aspekt ihres Lebens. Dieses „operative Verfahren“ zielte nicht auf politische Opposition ab, sondern auf ihr außergewöhnliches Talent, das für das System von Bedeutung war.

Gold und Schatten

Gold und Schatten

Witt erlangte internationale Berühmtheit mit dem Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Winterspielen 1988 in Calgary. Doch hinter der glitzernden Fassade verbarg sich eine intensive Überwachung. Die Stasi notierte minutiös, mit wem sie trainierte, wohin sie reiste und – erschreckend detailliert – sogar die Dauer und den Zeitpunkt intimer Begegnungen. Ein Bericht aus ihrer Jugend fasst dies so zusammen: „Zwischen 6 Uhr und 6.18 Uhr kam es zum Geschlechtsverkehr.“

Umgebung unter Kontrolle

Umgebung unter Kontrolle

Nicht nur Witt selbst wurde überwacht, sondern auch ihr Umfeld. Ihr erster Freund, Ingo Politz, wurde nach dem Dienst in der Armee geschickt, um weit entfernt von ihr zu leben. Die Stasi versuchte, jegliche Kontakte zu minimieren, die eine Bedrohung für Witt darstellen könnten.

Angebote aus dem Westen

Angebote aus dem Westen

Im Jahr 1986 kamen lukrative Angebote aus den USA. Als Olympiasiegerin war Witt jedoch an einer Präsentation vor der Parteiführung gebunden, die eine Bühnenkarriere vorsah. Erst nach dem Gewinn des zweiten Olympia-Goldmedaillens in Calgary 1988 konnte sie ihren Teil der Abmachung erfüllen. Jutta Müller, Witt’s Trainerin, blieb bis zu ihrem Tod 2023 eine Konstante in ihrem Leben und sie zeigte stets Respekt.

Privatsphäre und Erinnerungen

Privatsphäre und Erinnerungen

Witt selbst forderte 1993 Einsicht in ihre Akten und setzte sich gegen eine Bürgerrechtslerin durch, die sie öffentlich beschuldigte, für die Stasi gearbeitet zu haben. Sie ließ 3000 Seiten der Unterlagen prüfen. 2020 öffnete sie die Akten erneut für eine Fernsehdokumentation. Heute entscheidet sie selbst, welche Aspekte ihres Lebens öffentlich gemacht werden. Ihr Studio „Kurvenstar by Katarina Witt“ setzt sich heute für junge Menschen mit körperlichen Behinderungen ein.

Ein Blick in die Vergangenheit

Ein Blick in die Vergangenheit

Die Geschichte von Katarina Witt ist ein eindringliches Zeugnis der Überwachung in der DDR. Sie ist eine Sportlerin, die nicht nur für ihre sportlichen Leistungen, sondern auch für ihre Fähigkeit, sich den Schatten ihrer Vergangenheit zu stellen, in Erinnerung bleiben wird. Die Goldmedaillen erinnern an die Erfolge, während die Akten der Stasi eine düstere Erinnerung an die Kontrolle bleiben.