Tour de France Femmes: Mahé im Bergtrikot – und Warnungen vor zu schnellem Wachstum
Aigle – Überraschungsmoment auf der zweiten Etappe der Tour de France Femmes: Océane Mahé vom kleinen Team Ma Petite Entreprise sicherte sich das Bergtrikot. Ein Erfolg, der die Aufmerksamkeit auf die Herausforderungen und Chancen im schnell wachsenden Frauenradsport lenkt. Während einige Teams im Luxusliner anreisen, kämpfen andere mit einem Camper – und mit der Frage, wie man den Nachwuchs halten kann.
Die Sensation von Aigle
Die Atmosphäre in Aigle war geprägt von sommerlichem Urlaubsfeeling, doch für Océane Mahé und ihr Team war es ein Tag des Triumphes. Mahé, zweifache französische U23-Meisterin, verbrachte über 100 Kilometer in der Ausreißergruppe und konnte sich das Bergtrikot sichern. „Das ist total verrückt“, strahlte sie kurz vor dem Start in Aigle. „Wir wussten, dass wir etwas erreichen könnten, aber das Bergtrikot ist noch größer und beeindruckender.“

Ma Petite Entreprise: Ein Team mit ungewöhnlichem Konzept
Ma Petite Entreprise ist eines von sieben Pro-Teams bei dieser Tour de France Femmes. Das Team finanziert sich nicht über wenige Großsponsoren, sondern über über 560 kleinere Geldgeber. Ein Konzept, das sich offenbar auszahlt – zumindest für den Moment. Vincent Lavenu, der Manager des Teams, ist allerdings nicht unbescholten, da ihm in seiner Karriere Doping-Vorwürfe gemacht wurden.

VolkerWessels: Talentschmiede mit Problemen
Das niederländische Pro-Team VolkerWessels hat ebenfalls eine bemerkenswerte Entwicklung hinter sich. Seit 2014 im Profi-Radsport, brachten sie Fahrerinnen wie Demi Vollering und Lorena Wiebes hervor. Doch Sportdirektor Bart Faes warnt: „Es wird immer schwieriger, junge Talente zu halten, wenn die großen World-Teams anklopfen. Wir zahlen das Minimum-Gehalt, aber können uns dann nicht mit den Top-Teams messen.“

Die Warnung vor zu schnellem Wachstum
Faes sieht mit der Neustrukturierung der Teams zwar positiv aus, warnt aber vor den Problemen, die das schnelle Wachstum des Frauenradsports mit sich bringt. „Viele kleine Teams kämpfen ums Überleben. Die UCI muss ein Auge behalten, nicht nur auf die Spitze. Sonst bricht die untere Ebene weg, und das gefährdet die gesamte Entwicklung.“
Mahé verteidigt ihr Bergtrikot und blickt optimistisch in die Zukunft: „Schon ganz am Anfang gab es zehn Punkte zu holen, also müssen wir kämpfen. Morgen ist ein neuer Tag.“
