Beier fordert abseits-abschaffung – eine radikale idee im fußball?
Maximilian Beier, der Dortmunder Flügelstürmer, hat mit einem überraschenden Vorschlag für eine Regeländerung für Aufsehen gesorgt: Er würde das Abseits abschaffen – aus rein egoistischen Gründen. Die Aussage des 23-Jährigen gegenüber der „FAZ“ wirft die Fußballwelt auf den Kopf und löst eine hitzige Debatte aus.
„Meine Abwehrkollegen werden mich dafür verfluchen“, räumte Beier ein, „aber ich würde das Abseits abschaffen. Es würden vermutlich mehr Tore fallen, das Spiel dynamischer werden. Aber ich gewinne schon gern auch Spiele zu null, so ist’s nicht.“ Eine provokante Äußerung, die die Diskussion um die Abseitsregel neu entfacht.
Wengers abseits-reform – ein alter hut?
Die Idee von Beier ist nicht völlig neu. Bereits 2021 hatte Arsène Wenger, der nun Leiter der globalen Fußballentwicklung der FIFA ist, eine Abwandlung der Abseitsregel vorgeschlagen. Sein Konzept sieht vor, dass ein Angreifer erst dann im Abseits steht, wenn kein Teil seines Körpers mehr auf gleicher Höhe mit dem Verteidiger ist. Das bedeutet, der Spieler müsste komplett vor dem Verteidiger stehen, um als Abseits gewertet zu werden. Doch seitdem hat sich nichts verändert.
Während Beier die gesteigerte Torquote und ein dynamischeres Spiel als Vorteile sieht, argumentieren viele Experten, dass die Abseitsregel ein wichtiger Bestandteil des modernen Fußballs ist. Sie verhindert zu einfache Tore und zwingt die Mannschaften zu einer taktischen Flexibilität. Die sogenannten „Zehennägel-Entscheidungen“ – Abseitspositionen, die nur durch den Videoassistenten klar erkennbar sind – sind ein ständiges Ärgernis und führen oft zu Diskussionen.
Interessanterweise führt der Hamburger SV unter Ransford Königsdörffer die Bundesliga mit 25 Abseitsstellungen an. Borussia Dortmund hingegen gehört mit nur 35 Abseitsstellungen zu den Mannschaften, die am wenigsten oft zurückgepfiffen werden. Das deutet darauf hin, dass der BVB im Allgemeinen eine gute Balance zwischen Offensivspiel und taktischer Disziplin findet.
Beiers Vorschlag mag zwar kontrovers sein, doch er spiegelt die wachsende Frustration über die oft willkürlichen Abseitsentscheidungen wider. Ob er tatsächlich umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Doch eines ist sicher: Die Debatte um die Abseitsregel ist noch lange nicht abgeschlossen.
Die FIFA hat zwar die Möglichkeit, die Regel zu ändern, aber eine solche Entscheidung erfordert einen breiten Konsens unter den Nationalmannschaften, Vereinen und Verbänden. Eine so gravierende Änderung des Spielregiments wird daher nicht über Nacht erfolgen.
Beiers Äußerung ist somit mehr als nur ein spontaner Impuls. Sie ist ein Symptom für eine tiefgreifende Veränderung im Fußball, in der die Dynamik und die Torquote immer mehr in den Fokus rücken. Und während die Fans über die Vor- und Nachteile diskutieren, bleibt die Frage, ob der Fußball wirklich bereit ist, eine so fundamentale Regeländerung in Angriff zu nehmen.
