Tragödie am see: alkohol und demütigung – wie branco zebec den hsv zerstörte
Der 19. April 1980 steht in der Geschichte des Hamburger SV für eine bittere Ironie. Vierzig Jahre nach dem legendären Duell gegen Borussia Dortmund, das die Bundesliga prägte, ereignete sich ein Ereignis, das den Verein für immer traumatisieren sollte: Der Zusammenbruch seines Trainers Branco Zebec.

Trunkenheit, gesundheitliche probleme und ein unheilvolles erbe
Schon am Tag vor dem entscheidenden Spiel gegen den BVB geriet Zebec aus allen Stimmung. Der ehemalige Meistertrainer von 1969 mit Bayern München und 1979 mit dem HSV hatte begonnen, zu trinken, verpasste das Training und die Abfahrt des Mannschaftsbusses. Manager Günter Netzer ließ ihn ohne sich mitfahren.
Zebec holte ihn mit einem Leihwagen ein, doch die Polizei stoppte ihn bei Ascheberg. Das Ergebnis: 3,25 Promille. Sein Führerschein wurde eingezogen, und er musste vom Polizeiauto zum Hotel „Römischer Kaiser“ eskortiert werden. Dort wirkte er bereits „reichlich betrunken“ auf das Personal.
Das Spiel selbst war ein einziger Albtraum. Zebec saß verwirrt auf der Bank, reagierte irritiert auf Anweisungen des gegnerischen Trainers Udo Lattek und beobachtete stattdessen ein Jugendspiel. Ein Journalist verhinderte mehrfach, dass er von der Bank fiel. Als der HSV das 2:0 erzielte, versuchte er zu klatschen, seine Hände trafen sich aber nicht.
Die Pause brachte keine Besserung. Zebec wurde von Ordnern in den Bus gesetzt, während sein Assistent Alex Ristic die Mannschaft übernahm. HSV-Präsident Dr. Wolfgang Klein gab später bekannt, dass Zebec unter gesundheitlichen Problemen litt, insbesondere einer Bauchspeicheldrüsen-Erkrankung, die durch Alkohol verschlimmert werden konnte.
Die öffentliche Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Die Bild-Zeitung titelte: „Kann sich der HSV Zebec noch leisten?“ Zebec selbst gestand später, dass er zu viel getrunken hatte, um Schmerzen zu betäuben, die er eigentlich mit Tabletten behandeln wollte. Er betonte, kein Alkoholiker zu sein, doch sein Verhalten führte zu weiteren Problemen.
Ein besonders gravierender Vorfall folgte vier Wochen später, nach der Niederlage im UEFA-Pokal-Finale gegen Nottingham Forest. Zebec warf seinen Spielern ein „Frustbier“ vor, weil sie trainiert hatten, obwohl er selbst unter Alkoholeinfluss stand. Das kostete ihm die Unterstützung der Mannschaft und schließlich seine Entlassung im Dezember 1980. Netzer gestand später, dass es ihm wehgetan hatte, Zebec nicht helfen zu können.
Ironischerweise wurde Zebecs nächster Arbeitgeber in der Bundesliga – Borussia Dortmund. Seine Karriere endete in einer Demütigung, die die Schattenseiten des Profifußballs und die persönlichen Dämonen eines Mannes offenlegte. Die Geschichte von Branco Zebec ist eine Mahnung: Alkohol kann nicht nur das Leben zerstören, sondern auch das Erbe eines Vereins.
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