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Kasper Hjulmand: Warum Leverkusen?

Kasper hjulmand: warum leverkusen?

Kasper hjulmand: warum leverkusen?

Kasper Hjulmand (53) hat in seinem ersten Tag in Leverkusen erklärt, dass Bayer der einzige Verein sei, für den er das Campus-Projekt des dänischen Verbands verlassen hätte. Warum gerade für Leverkusen?

Kasper Hjulmand: Ich hatte für diese wichtige Entscheidung nur wenige Tage Zeit. Leverkusen kenne ich schon lange. Die Führung mit Fernando Carro und Simon Rolfes ist seit Jahren im Amt. Mein ehemaliger Co-Trainer, Keld Bordinggaard, arbeitet seit 2021 hier (als Leiter Trainer-Akademie; d. Red.). Ich war oft zu Besuch und weiß: Der Verein hat eine klare Philosophie, eine Spielstrategie, eine Identität. Das zeichnet den Klub aus. Die Werte, die hier gelebt werden, und die Spielweise passen zu mir. Hier muss ich nicht erklären, wie ich den Fußball sehe. Ich kann ich selbst sein. Simon weiß, wie ich arbeite. Er hat mich besucht, als ich Nationaltrainer in Dänemark war (2020 bis 2024). Er weiß, wie ich arbeite. Deshalb war mir klar: Leverkusen und ich – das ist ein Match.

Als Simon Rolfes nach der Trennung von Erik ten Hag mit dem Job-Angebot auf Sie zukam, sollen Sie Anfang September gesagt haben: „Nicht vor Weihnachten.“ Und er entgegnete angeblich: „Wir brauchen jetzt einen Trainer, sofort.“ Stimmt das?

(lächelt) Ja, so in etwa war es. Wir haben dann einige Tage gebraucht, um in Dänemark alles zu regeln. Sie müssen wissen: Das ist ein großes Projekt für den Verband, das mir sehr am Herzen liegt. In der Woche, in der sich Simon gemeldet hat, gab es das finale Go für dieses Projekt. Somit passte der Zeitpunkt. Es sind große Partner wie Lego, Jysk und Maersk mit im Boot. Ihnen bin ich sehr dankbar, dass sie mich unterstützt haben und ich diese Entscheidung treffen konnte. Hätte einer „Nein“ gesagt, wäre ich geblieben.

Erstmals qualifiziert: Sensation im Video: Mini-Land bei WM dabei!03:24Quelle: Sportdigital14.10.2025Jetzt sind Sie fünf Wochen da. Wie sehen Sie die Mannschaft und die Entwicklung nach zehn Punkten aus vier Liga-Spielen und zwei Unentschieden in der Champions League?

Ich denke, dass man zuletzt gegen Union Berlin (2:0) und gegen Eindhoven (1:1) sehen konnte, wie wir spielen können und wofür wir stehen wollen: für proaktiven, dominanten und begeisternden Fußball. Ich bin sehr zufrieden mit der Entwicklung und dem neuen Kader, mit den einzelnen Spielern, dem Stab, mit allem. Ich habe ein klares Bild von der Qualität der Mannschaft und eine klare Vorstellung, wie wir uns entwickeln können.

Bei wie viel Prozent ist die Mannschaft heute?

Das kann ich nicht beantworten, weil eine Mannschaft nie fertig ist. Es gibt nie 100 Prozent. Es ist ein Prozess, in dem man sich immer verbessern kann. Im Moment lernen sich alle immer besser kennen, das ist zuletzt auf dem Platz sichtbar gewesen.

Meisterschaft? „So schnell wie möglich!“Nach dem Umbruch im Sommer ist in dieser Saison die Qualifikation für die Champions League das Ziel. 2026/27 will der Verein wieder die Meisterschaft angreifen. Sind Sie auch deshalb gekommen?

Wenn man irgendwo antritt, will man immer das Maximale. Das war schon so, als ich 2011 Nordsjælland in Dänemark übernommen habe. Wir waren die Nummer 10 oder 11 der Liga. Aber ich hatte den Ehrgeiz, die Meisterschaft zu gewinnen. Das haben wir geschafft. Jetzt denke ich nicht darüber nach, ob es nächste Saison möglich ist. Ich will es so schnell wie möglich schaffen. Ich gehe mit dem Anspruch, die Meisterschaft zu gewinnen, in jedes Spiel.

Können Sie schon diese Saison angreifen?

Ich weiß, dass wir Zeit brauchen, unsere Mannschaft zu bauen und uns zu entwickeln. Aber ich weiß auch: Es liegt in der Natur eines Vereins wie unserem, die Herausforderung zu suchen. Bei mir ist es genauso.

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Leverkusen hat es 2024 geschafft, sie zu schlagen und Meister zu werden. Ich kann nicht sagen, wie lange es dauert, bis wir es wieder schaffen. Für uns geht es nicht um Bayern München und darum, wie groß sie sind. Es geht darum, dass wir unser Niveau weiter erhöhen. Dass wir die nächsten Schritte gehen, um heranzukommen und mithalten zu können. Unser Fokus ist auf uns selbst gerichtet. Wir wollen hier etwas entwickeln. Und eine Mannschaft sein, die die Fans begeistert.

Ist es für Sie eine besondere Motivation, nach den vielen Zu- und Abgängen im Sommer eine neue Mannschaft aufzubauen?

Ganz sicher! Es ist eine große Aufgabe. Niemand weiß, wie gut es am Ende funktioniert. Diese Herausforderung eröffnet Möglichkeiten. In unseren Spielern steckt noch mehr Potenzial, als viele denken. Die Voraussetzungen für die Mannschaft und den Verein sind hervorragend.

„Die Bundesliga ist die beste Liga für die Fans“Hjulmand liebt die Bundesliga. Die Stadien und die Atmosphäre hält er für die beste in Europa Foto: Arne Dedert/dpaAls ehemaliger Nationaltrainer haben Sie einen guten Überblick über alle Top-Ligen. Wo steht die Bundesliga?

Wir wissen, wie viel Geld die englischen Vereine in Spieler investieren. An der Stelle müssen wir keine Vergleiche ziehen. Ich liebe die Bundesliga aus vielen Gründen. Wir haben hier die besten Stadien und die beste Atmosphäre in ganz Europa. Es ist die beste Liga für die Fans, weil es hier noch ein echtes Gefühl für den Sport gibt. Wir dürfen nie vergessen: Fußball ist für die Menschen, die ihn lieben – und nicht nur für Touristen.

Wie sehen Sie es rein sportlich?

Die deutschen Vereine haben gezeigt, dass sie mit denen aus England und allen anderen Ligen konkurrieren können. Um das Niveau zu erhöhen und weiter bestehen zu können, benötigt der deutsche Fußball gute Ausbildungssysteme und gute Akademien. Die Talentförderung sowie die Zusammenarbeit der Liga und des DFB müssen weiterentwickelt werden. Das sollte der Weg sein, um auch in Zukunft mit den englischen Vereinen mithalten zu können.

„Wirtz wird es allen beweisen“Florian Wirtz wechselte im Sommer von Leverkusen nach Liverpool und wird für seinen Start in der Premier League kritisiert. Auch von Experten wie den ehemaligen Profis Wayne Rooney und Gary Neville. Wie sehen Sie das?

Come on, er ist gerade erst dort angekommen. Glaubt mir, er wird es allen beweisen. Auch den Experten in England. Ganz sicher. Zeigt mir den Spieler, der vom ersten Tag an in einem neuen Verein und einer neuen Liga seine beste Leistung bringen kann. Das ist unmöglich. Florian ist ein fantastischer Fußballer mit herausragenden Qualitäten. Wir wissen doch, wie schnelllebig alles im Fußball ist: Wenn er in den nächsten zwei Spielen zwei tolle Tore schießt, werden die Leute sagen: „Jetzt ist er angekommen.“ Das ist dann genauso falsch wie die Kritik zuletzt. Gebt ihm Zeit, lasst ihn spielen – und jeder in Liverpool wird sehen, wie gut er ist. Ich habe keinen Zweifel, dass er sich durchsetzt.

Für die Kritik am deutschen Superstar Florian Wirtz (22) vom FC Liverpool hat Hjulmand kein VerständnisFoto: Liverpool FC via Getty Images

Samstag spielen Sie mit Leverkusen bei ihrem Ex-Klub Mainz. Gibt es nach über zehn Jahren noch Kontakte in den Verein?

Ich habe tatsächlich losen Kontakt zu Sportdirektor Niko Bungert. Er war mein Spieler in Mainz. Wir haben manchmal gesprochen, als es für ihn vor einigen Jahren darum ging, ob er eher die Trainer-Karriere einschlägt oder ins Management geht.

Als Sie 2014 von Dänemark nach Mainz gingen, haben Sie Ihr Haus verkauft und sind mit der kompletten Familie umgezogen. Sie sagten damals: „Ein Neuanfang ist nur möglich, wenn man mit der Vergangenheit abschließt.“ Leben Sie heute noch nach dieser Überzeugung?

Ja! Jetzt bin ich zu 100 Prozent in Leverkusen. Aber diesmal war es für mich einfacher. Meine Kinder sind älter, teilweise erwachsen. Als wir nach Mainz gingen, mussten wir in zwei Wochen alles organisieren: ein Haus, Schulen für drei Kinder, das ganze Leben der Familie. Heute weiß ich aus Erfahrung, dass man im Fußball nichts planen kann. Ich bin genau da, wo ich sein will.